
Oder, wie mich die Kinder bei Camp Forestbird nennen dürfen: Patty.
Aufgewachsen bin ich im Schwarzwald, mit vier Geschwistern.
Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, denke ich an ziemlich viel Freiheit.
Wir waren viel draußen, haben mit Nachbarskindern gespielt, sind Fahrrad gefahren, Rollschuh gelaufen.
Wir waren wandern, haben dabei Pilze gesammelt, besonders schön waren die Nachtwanderungen, mit Taschenlampen und Proviant in der Tasche. Grillen haben wir geliebt, genauso wie gemeinsame Familienausflüge oder Baden in der Schwarzenbachtalsperre. Aber am schönsten war es für mich, wenn wir in den Ferien zum Campen an den Bodensee gefahren sind.
Und obwohl um mich herum eigentlich immer etwas los war, war ich selbst ein stilles Kind.
Ich war gern für mich. Lesen und Geschichten waren meine Welt. Ich konnte mich stundenlang nur mit mir selbst beschäftigen, mich in Büchern verlieren und mich an Orte träumen, die weit weg waren.
Besonders geliebt habe ich einen Kinderatlas mit Bildern aus aller Welt. Irgendwann landete mein Finger auf Neuseeland. Ich wusste nur: Da möchte ich einmal hin.
Ich hatte überhaupt viele Träume.
Mal wollte ich Archäologin oder Ägyptologin werden, dann Paläontologin, Meeresbiologin oder Tierpflegerin. Ich wollte auf einem Kreuzfahrtschiff arbeiten und am liebsten alle Sprachen dieser Welt sprechen. Festlegen wollte ich mich offensichtlich schon damals nicht so gern.
Ich habe gern gelernt. Genauso gern habe ich gebastelt, Handarbeiten gemacht, gesungen und Geschichten geschrieben.
Und wenn jemand etwas nicht verstanden hat, habe ich schon als Kind gern versucht, es zu erklären.
Vielleicht erinnere ich mich deshalb heute noch so gut daran, wie unterschiedlich Kinder sein können.
Ein Kind kann still sein und trotzdem vor anderen singen. Es kann gern allein sein und Gemeinschaft lieben.
Es kann Mathe mögen und Geschichten, Tiere und fremde Länder, Musik und Basteln.
Und manchmal weiß ein Kind heute noch überhaupt nicht, was morgen spannend sein wird. Das darf so sein.
Camp Forestbird soll ein Ort sein, an dem Kinder ausprobieren und entdecken dürfen.
Sie müssen nicht überall mitmachen. Sie dürfen sagen, wenn ihnen etwas nicht gefällt.
Sie dürfen fragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben.
Und wenn ein Kind eine Erklärung ein zweites oder drittes Mal braucht, dann bekommt es sie.
Mir ist wichtig, dass ein Kind im Camp Forestbird nicht das Gefühl bekommt, etwas nicht gut genug zu können, zu still zu sein oder anders sein zu müssen, um dazuzugehören.
Manche Kinder erzählen viel. Andere hören erst einmal zu. Beides ist in Ordnung.
Hier dürfen Kinder lernen, kreativ sein, Geschichten hören, Musik machen, lachen, Fragen stellen und Neues ausprobieren.
Und manchmal vielleicht auch einfach feststellen: Das ist heute nichts für mich. Auch das darf ein Kind sagen.
Ich kann heute noch nicht wissen, welche Kinder ihren Weg ins Camp Forestbird finden werden.
Vielleicht bleibt eines nur eine kurze Zeit. Vielleicht begleitet uns ein anderes über mehrere Jahre.
Aber ich weiß, was ich mir wünsche. Dass ein Kind irgendwann größer wird, weiterzieht und sich gern an diese Zeit erinnert.
Nicht nur daran, was es bei uns gelernt hat. Sondern daran, wie es sich angefühlt hat, hier zu sein.
Und wenn es irgendwann noch einmal beim Campfire vorbeischauen möchte, nur um Hallo zu sagen und zu erzählen, wie es ihm inzwischen geht?
Dann freue ich mich. Sehr sogar.
Herzliche Grüße vom Bodensee
Patty